Home Bildungsprogramme Zukunftswerkstatt
Zukunftswerkstatt

Grünes Licht für die Zukunftswerkstatt Minsk

Der Grundstein ist im April 2011 in Minsk gelegt worden: Die Zukunftswerkstatt Minsk, das neue ehrgeizige Projekt des Internationalen Bildungs- und Begegnungswerks Dortmund im EU-Nachbarland Belarus, nimmt konkrete Formen an. Auf dieser Seite finden Sie Informationen über die architektonische und energetische Planung für das zukunftsweisende Projekt.


Broschüre informiert über Träger, Ziele und Inhalte


Die Zukunftswerkstatt Minsk richtet sich an Experten und die interessierte Öffentlichkeit: Sie wird der Ort, an dem die Lebensschicksale der Liqidatoren von Tschernobyl und ihrer Familien in den radioaktiv belasteten Gebieten aufgezeichnet und dokumentiert werden. Mit Blick in die Zukunft kommen Erneuerbare Energien am Gebäude und in der ständigen Ausstellung zum Einsatz. Das Konzept erläutert ausführlich die Broschüre (in drei Sprachen).


"Leitfaden integrale Planung" schreibt ehrgeizige Ziele fest

Voraussetzung für die Umsetzung energieeffizienter Architektur ist „integrale Planung“. Das heißt, dass die Planungsbeteiligten, beginnend mit der Grundlagenermittlung,eng miteinander zusammenarbeiten. Das setzt eine Teamfähigkeit voraus,die im Baubereich nicht selbstverständlich ist.

Zum Planungsteam gehören Bauherr, Architekten und Stadtplaner, Ingenieure aus den Bereichen der technischen Ausrüstung, Energie und Bauphysik, Tragwerksplaner und möglicherweise weitere Fachleute aus anderen Bereichen. Entscheidende Voraussetzung für das Gelingen des integralen Planungsprozesses ist die Verständigung auf verbindliche Ziele und die Bereitschaft, über die eigene Fachdisziplin hinaus das „Ganze“ in den Blick zu nehmen - im Sinne des Prinzips: „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile“.
Der  "Leitfaden integrale Planung" steht zum Download zur Verfügung (13,9 MB).

Öffentlichkeit von Anfang an einbinden: Zukunftswerkstatt war im September 2011 Thema eines Seminars mit 41 Akteuren und Experten in Minsk


In der IBB "Johannes Rau" in Minsk befassten sich Vertreter von Umwelt-NGO, privaten und staatlichen Fachorganisationen zusammen mit zehn Experten aus Deutschland und Belarus vom 15. bis 17. September 2011 mit der Zukunftswerkstatt Minsk und ihrem innovativen Ansatz. (Das Programm finden Sie hier.)

Peter Junge-Wentrup unterstrich die Bedeutung von energieeffizientem Bauen und Erneubaren Energien. In der Zukunft würden die damit verbundenen Projekte noch stärker von internationalen Geldgebern gefördert. Die Zukunfstwerkstatt sei ein Projekt, für welches das IBB auch bei der Bundesregierung Mittel beantragt habe. In den deutsch-belarussischen Beziehungen sei es in den letzten anderthalb Jahren allerdings zu erheblichen Beschränkungen gekommen, so dass Gespräche auf der offiziellen Ebene kaum erfolgen oder möglich sind. Besonders nach den letzten Wahlen vom 19. Dezember 2010 hat es unterschiedliche Interpretationen dieser Wahlen im Westen und in Belarus gegeben. Dies sei ein Punkt, der die Förderung eines solchen Projektes erschwert. Dies hat dazu geführt, dass im Bundesministerium für Umwelt in einer ersten Runde eine reservierte Haltung diesem Projekt gegenüber eingenommen hat. Vor diesem Hintergrund habe IBB Dortmund das Gespräch mit Politikern aller Parteien im Deutschen Bundestag gesucht. Mit den Abgeordnenten und dem Bundesministerium ergab sich ein kostruktiver Dialog, so dass die Finanzierung des Projektes in absehbarer Zeit Realität werden kann. Der Botschafter der BRD in Belarus Dr. Christoph Weil sei eine zentrale Person in den Verhandlungen. Er habe sich bei vielen Politikern für dieses Projekt eingesetzt. Die Leitung des IBB Dortmund ist dem Botschafter für diese Unterstützung sehr dankbar. Gegen Ende 2011 werde klar, ob die Finanzierung für dieses Vorhaben bewilligt werde, so Peter Junge-Wentrup.

Der Architekt Klaus Beck stellte die Präsentation „Kompetenzzentrum „Zukunftswerkstatt“ vor (6,4 MB).

Dipl. Ingenieur Patrick Jung präsentierte die Ergebnisse der Computersimulation anhand seiner Präsentation (2,4 MB).

Dipl. Ingenieur Jörg Probst stellte die zentralen Elemente vor, um in der Zukunftswerkstatt zu einem Niedrigenergiehaus- bzw. Passivenergiehausstandard in Belarus zu kommen (3,4 MB).

Leonid Danilewski vom Institut NIPTIS hält das Projekt „Zukunftswerkstatt“ für äußerst interessant. Als Physiker und Wissenschaftler zählt er sich zu den Anhängern der deutschen Schule für Energetik. 1995 lernte er Dr. Feist, Leiter des Passivhaus-Insituts in Deutschland und Vorreiter des Passivhaus-Energiestandards für Gebäude kennen. Herr Danilewski erzählte, dass er von der Idee des Passivhauses damals sehr begeistert war. Das Gebäude werde in diesem Fall als natürliches Umweltelement betrachtet. Herr Danilewski hob hervor, dass sein Institut an der Ausarbeitung des Konzeptes für Erhöhung der Energieeffizienz der Republik Belarus mitgewirkt habe. In diesem Konzept wurde der Begriff des energieeffizienten Hauses bestimmt. Das energieeffiziente Haus sei optimal vom Standpunkt der preisabhängigen Werte. Die Herangehenweise bei der Konzeptentwicklung der Zukunftswerkstatt gefällt auch Herrn Danilewski. Er betonte, dass die Werte für Heizung und Strom auch berücksichtigt werden.

In seiner Arbeit orientiert sich das Institut NIPTIS an westeuropäischen Erfahrungen im Bereich der Energieeffizienz. Das Institut NIPTIS kooperiert auch mit russischen und kasachischen Partnern bei der Konzeptentwicklung von energieeffizienten Gebäuden. In den Minsker Neubauten werden auch Lüftungssysteme mit Wärmerückgewinnung verwendet. Heutzutage besteht auch entsprechendes Interesse für Bürohäuser. Bürohäuser zeichen sich dadurch aus, dass es dort mehr innere Wärmequellen zur Arbeitszeit gebe, als in Wohnhäusern. Der größte Anteil des Energieverbrauchs entfalle deshalb auf Wohnraum, der einen Anteil von etwa 180 Mio Quadratmeter an der gesamten Gebäudefläche ausmache. Das Institut NIPTIS sei ebenfalls hoch interessiert an einer Kooperation mit der deutschen Seite. Die erste Sanierung eines 4-stöckigen Hauses erfolgte in Minsk in den Jahren 1996-97 in Kooperation mit einem Institut aus Bonn. Dabei konnte man den Energieverbrauch in dem Haus um das Doppelte senken.

Leonid Mastjugin von der Wohnungseigentümergesellschaft „Taulma“ Lida berichtete über seine energieeffizienten Projekte, die dank der Kooperation mit ausländischen Partnern möglich waren.

Dem Seminar wohnten auch die Vertreter der Firma „Geotherm“ bei. Der Leiter Alexander Maximow berichtete, dass seine Firma schon mehr als 5 Jahre auf dem belarussischen Markt tätig ist. „Geotherm“ ist offizielle Repräsentanz der schwedischen Firma „Nibe“, die u.a. Wärmepumpen herstellt. Die Firma „Geotherm“ konnte seit ihrem Bestehem 150 Wärmepumpen-Anlagen installieren.

Die beteiligten Akteure (Experten aus Staat und Wirtschaft, NGO-Vertreter) identifizierten in einem Workshop zentrale Zielgruppen für die Arbeit der Zukunftswerkstatt und Maßnahmen, um die ZG zu erreichen. In erster Linie sollen adressiert werden: NGO, Wirtschaft/Unternehmertum, Bildungseinrichtungen, breitere Öffentlichkeit. Als Maßnahmen wurden Bildungsveranstaltungen, Studienreisen, Schulungen von Fachpersonal und öffentliche Veranstaltungen festgehalten.

Im Rahmen des Seminars konnten die Teilnehmer auch zusätzliche Fragen an deutsche Experten stellen und sich miteinander austauschen.

zur Expertendatenbank Erneuerbare Energien und Energieeffizienz