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Mensch und Umwelt

Zu den zentralen Gründungsideen der Internationalen Bildungs- und Begegnungsstätte „Johannes Rau“ Minsk (IBB) gehört es, durch gemeinsames Lernen aus der Geschichte das Fundament für ein gemeinsames Haus Europa zu stärken. Die globalen Auswirkungen der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl hat das Leben nicht nur der Menschen in Belarus, sondern europaweit stark beeinflusst. Dementsprechend gehört der Bereich „Mensch und Umwelt“ zu den zentralen  Schwerpunkten der IBB-Bildungsarbeit.

 

In den 1990er Jahren tagte in der IBB regelmäßig ein energiepolitischer Arbeitskreis, der sich mit Fragen der alternativen Energieversorgung und -einsparung sowie des Umweltschutzes beschäftigte. Die 1995 gegründete Energie-Arbeitsgruppe analysierte das Potential der Nutzung erneuerbarer Energien in Belarus und begründete gegenüber der Politik, dass diese Energieformen auch für Belarus vielversprechend sind.

2001 wurde das Themenspektrum durch die ökologische Seminarreihe erweitert. Diese Seminarreihe leistete einen wesentlichen Beitrag zu einer ökologischen Bewusstseinsbildung der Bevölkerung. Bildungsexperten und Naturwissenschaftler sichteten gemeinsam Unterrichtsmaterialien und erprobten neue methodische Ansätze. Die besten Unterrichtsmethoden bereiteten sie für interessierte Lehrer in mehreren Handbüchern für unterschiedliche Altersstufen auf. 2004 wurde in Kooperation mit der Akademie für Postgraduiertenbildung „Der ökologische Blick - ein Unterrichtsbuch für Lehrer der Mittelstufe“ als ein vom belarussischen Bildungsministerium lizenziertes Schulbuch aufgelegt.

Seit 2005 wurde die Beschäftigung mit den Prinzipien der nachhaltigen Entwicklung zum zentralen Thema der Seminarreihe. Denn ohne die Umsetzung dieser Prinzipien ist eine Lösung der zukunftsbedrohlichen Umweltprobleme nicht möglich. Die Republik Belarus unterstützt aktiv die UN-Dekade zur Bildung im Interesse nachhaltiger Entwicklung. Bildung im Interesse nachhaltiger Entwicklung bedeutet aber nicht nur die Vermittlung von theoretischem Wissen, sondern verlangt die Schüler zu befähigen, als bewusste Verbraucher zu handeln und im maximalen Einklang mit der Natur und ihrer Umgebung zu leben. Die Erarbeitung und Umsetzung von Schulagenden ist daher eine optimale Form, um Schüler, Lehrer und Eltern für nachhaltige Entwicklung praktisch zu begeistern.

In 2007 unterstützte die IBB „Johannes Rau“ Minsk vier Pilotschulen aus dem Minsker Gebiet und der Stadt Nowopolotzk bei der Entwicklung von Schulagenden. Die Initiativen dieser Schulen wurden in der Broschüre „Lokale Schulagenden: Erste Schritte in Belarus“ dargestellt. Im Jahre 2008 konnten etwa 20 weitere Schulen für die Lokale-Agenda-Arbeit begeistert werden. In Kooperation mit der Akademie für Postgraduiertenbildung wurden Kurse zur Lehrerfortbildung ausgearbeitet und approbiert sowie ein Handbuch „Lokale Agenda in der Schule“ erarbeitet, das als umfassender Leitfaden für Schulagenda-Initiativen dienen wird.

In Kooperation mit der Landesarbeitsgemeinschaft „Lokale Agenda 21“ unter Leitung von Dr. Klaus Reuter wurden zudem zum ersten Mal Kontakte zwischen belarussischen und deutschen Agenda-Schulen hergestellt. Eine Studienreise nach Deutschland gab im Februar 2008 Schülern und Lehrern aus 10 belarussischen Schulen die Möglichkeit, konkrete Beispiele der Umsetzung der Prinzipien und Methoden der Bildung für nachhaltige Entwicklung an deutschen Schulen, aber auch Projekte der Schüler im Bereich der nachhaltigen Entwicklung kennenzulernen.

In 2009 bezieht die IBB „Johannes Rau“ erstmals auch Studenten in ihren ökologischen Bildungsschwerpunkt ein. Studenten und Dozenten von Minsker Universitäten treffen sich regelmäßig im studentischen Umweltklub. Im Rahmen des Klubs finden entsprechend den Interessen der Studenten Diskussionen zu aktuellen Umweltfragen unter Einbeziehung von Experten statt. Die Studenten lernen zudem die ökologischen Initiativen an den jeweils anderen beteiligten Hochschulen kennen und planen gemeinsam ökologische Aktionen, um die Öffentlichkeit für Umweltthemen zu sensibilisieren und einen eigenen praktischen Beitrag zum Schutz der Umwelt zu leisten.

Mehr Informationen erhalten Sie bei:

Nadeshda Samersowa, Leiterin des thematischen Bereichs „Mensch und Umwelt“
email: samersova@inbox.ru